Sodann das aufregende Wochenende

Wir wurden hier doch langsam leicht nervös zu Hause ob der gesammelten Erfahrungen. Auch I., der seine Schule in SB nicht mehr besuchen durfte und infolgedessen seine Freunde nicht mehr sah, war etwas niedergeschlagen. Schließlich wußte kein Mensch, wie lange das dauern sollte. Was hieß das nun für mich? Keiner hatte eine Ahnung. Ich war ja vom Dienst befreit. Also konnte ich wohl lange auf einen Passierschein warten.

Schießlich dachte ich, es sei doch möglicherweise besser, noch vor der Grenzschließung „rüberzumachen“. Zwei Monate ohne Familie und die meisten Freundinnen und Freunde schienen mir nicht ganz so einfach durchzustehen. Wobei die auf der anderen Seite die Aufregung kaum verstehen konnten. Schließlich hatten sie alles was sie brauchten vor Ort und ihre Empathiefähigkeit soweit zu bemühen, sich vorzustellen, diese seien eben nicht da, sondern jenseits einer plötzlich wieder aktiven Grenze schien einfach zu schwierig für die meisten.

Möglicherweise so dachten wir hier, denken die SaarländerInnen auch: „Das haben die Steuerflüchtlinge nun davon. Sollen sie halt gucken wie sie klarkommen. Wollten ja hin.“ Das sind ja so ureuropäische Gedanken…

Im Laufe des Sonntags jedenfalls kamen zunehmend Nachfragen von FreundInnen über die Lage. Und ich beschloss zumindest mal einen Koffer zu packen. Dann konnte ich montags immer noch sehen, wie das umgesetzt wird. Irgendwann aber war ich alarmiert und schmiss meine Sachen in den Koffer, schnappte mir mein gerade vor kurzem von meinem Neffen abgekauftes abgeschrapptes aber großartiges Cabrio mit deutscher Nummer und fuhr nervös Richtung Grenze. Nicht ohne mich zuvor von meinen Freunden mit sehr schlechtem Gewissen und mich wie eine Verräterin fühlend, zu verabschieden. B. stürzte in die Stimmungskrise und fühlte sich wie zurückgelassen. Fast erwartete ich, dass man mich an der Grenze abfinge und zurückschickte. Wahrscheinlich Erinnerungen an frühe Erfahrungen, wenn man als vermeintliche Verdächtige für was auch immer, allerdings nur verzweifelnd zu lange wartend, vom guten Freund vergessen und dann zu Fuß die Grenze überquerend, von Grenzbeamten egal welcher Couleur gründlich gefilzt wurde. Glücklich im Exil angekommen, war ich dann erstmal erleichtert.

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