Woche 1 in Ausgangssperre

Start also meiner Quarantäne ist Dienstag. Ich hatte mich mittlerweile damit abgefunden. Ich rechnete auch nicht mehr mit einer Pendlerbescheinigung, da das Kultusministerium uns ja untersagte, den Boden von Universität oder Schule zu betreten. Was dann? Schließlich kamen Tag für Tag Vorgaben für neue Bescheinigungen. Hier muss man sich selbst bescheinigen, aus welchem Grund man unterwegs ist, wenn man sich vor die Tür wagt, und bloß den Perso oder Pass nicht vergessen.

Von meinem Arbeitgeber bekam ich dann aber doch noch eine Pendlerbescheinigung, damit ich wenigstens die Dinge erledigen konnte, die mir dann Homeoffice ermöglichen. Das war dann am Freitag, dem 18.3. durch. Sehr beruhigend dann doch wieder die Grenze überqueren zu können. Man muss nun aber mittlerweile Wohnort und Arbeitsort auf der Bescheinigung vermerken und darf sich sonst nirgendwo aufhalten. Also nicht heimlich ausbüxen und FreundInnen im Bliesgau besuchen. Und was man vielleicht nicht so versteht: wenn man nicht in D arbeitet, darf man auch als Deutsche/r nur rüber, um umzuziehen, quasi als RückkehrerIn. Jedenfalls Stand der Dinge und des Wissens von uns GrenzgängerInnen jetzt.

Sonntagabend, Woche 1: Alle haben wir uns zum gemeinsamen Essen versammelt und schmieden Pläne. Da doch eine gewisse Ratlosigkeit herrscht, kommen wir auf die krudesten Ideen. Also z.B. ich schreibe einen Blog über diese ganze Misere. Da hat man schön zu tun, kann seine Gefühle und Gedanken auf dem Silbertablett servieren, was eigentlich sonst nicht so meine Art ist und kann, wie Freud das nannte, wunderbar sublimieren. Außerdem bringt mir I. jetzt Gitarrespielen bei (er ahnt noch nicht, wie schwer das für ihn werden wird). B. hackt die Steinterasse vom Moos frei und begrüßt den Stumpfsinn dabei. J. macht ständig Feuerchen im Garten, damit die Weidenbohrer aus der armen, von diesen Riesenlarven befallenen und von J. in mühevoller Arbeit entsorgten, nun von uns leider verabschiedeten Weide, verschwinden usw. I. macht jetzt nur noch zuvor genau abgesprochene, illegale Radtouren. Das Kind braucht schließlich Beschäftigung. Und wir gehen zwar ab und an spazieren, fühlen uns dann aber doch auch nicht so dolle, weil fast alle zu Hause bleiben. Lesen kann niemand von uns. Konzentrieren fällt schwer.

Man hört auch plötzlich soooo viel Musik, wenn man keine machen kann. Gerade wieder Neil Young, After the Gold Rush. „Don´t let it bring you down“. https://www.youtube.com/watch?v=F7letrMf_nE

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