Der Lichtblick – und der SR

Der Lichtblick / 2. Mai 2020 von B.

Nach fast 7 Wochen Ausgangssperre und unendlich vielen Zetteln, die man ausgefüllt hat, um zum Bäcker zu gehen oder einfach mal ein paar Meter (präzise max. 1km und max. 1h ums Haus) spazieren zu gehen, fiebert man diesem 11. Mai entgegen.

Die Aussicht, einfach mal eine Runde Fahrrad zu fahren oder wandern zu gehen, ist fantastisch und die Laune steigt erstmals nach diesen langen Wochen. Auch sich in einem Radius von 100 km frei um den Wohnort ohne Bescheinigungen und Pass bewegen zu können, ist großartig. Alles andere wird man dann sehen …

So das Gefühl bis heute 2.5. … und dann die Nachrichten des SR im Radio … „Das Departement Moselle sowie die gesamte Region Grand Est bleiben Risikogebiet und…. die 100 km Bewegungsfreiheit werden dort ab dem 11. Mai nicht gelten …“ Da ziehen wieder dunkle Wolken auf, von wegen Lichtblick. Nach ein paar Tränen erinnert man sich, dass man ja im Hinblick auf die Maßnahmen in Frankreich und die Einteilung der Departements in Grün, Rot und Orange schon selbst recherchiert hat, was das nun konkret bedeutet. Und die Informationen, die man gefunden hat stimmen irgendwie nicht mit dem SR-Bericht überein.

Das Wort „Risikogebiet“ erinnert zudem doch sehr an die RKI-Bewertung vom 12.03. und somit auch an den damit verbundenen Aktionismus seitens einiger saarländischer Politiker, Verwaltungsmenschen, sowie privaten Hilfs-Sherifs … sehr ungute Assoziationen! Die Kriterien für die Einteilung der Départements seitens der franz. Gesundheitsbehörden werden vom SR nicht erwähnt … und die Konsequenzen, die sich daraus für die Zeit nach dem 11. Mai ergeben, werden offensichtlich nicht wirklich recherchiert. Man traut sich ja selbst nicht so recht … aber man kann ja mal nachhören, auf welche Quellen sich der SR bezieht! Und das habe ich getan. Nach meiner Anfrage an den SR, wie diese Informationen zustande kommen, meldete sich die zuständige Journalistin.

Ich bin nach dem Gespräch noch immer fassungslos, wie da mal locker vom Hocker eine Nachricht verbreitet wird, die auf diversen Interpretationen nicht offizieller Quellen beruht … Ich finde auf der Seite gouvernement.fr sehr genaue Angaben und hätte jetzt – wohl recht naiv – erwartet, dass eine Journalistin des SR das auch findet oder zumindest im Falle der Berichterstattung über dieses Thema bei den Fakten bleibt und nicht Vermutungen als solche verkauft.

Wenn ich nun ganz, ganz positiv denke – was mir in dieser Zeit zunehmend schwerer fällt – kann ich ja froh sein, dass man auf meine Anfrage reagiert hat und die Nachricht sowohl im Netz wie auch im Radio doch in Wortwahl und Inhalt massiv umformuliert hat … aber auf welchen Quellen das nun beruht? Meine Anfrage?

Und theoretisch können sich alle SR-Hörer fragen, wann und wo sie gehört/gelesen haben, dass in Moselle alles beim alten bleibt und (das Klopapier sicher)… und an ihrem Verstand zweifeln, wenn die Nachricht nicht mehr auffindbar ist. Wie oft kommt das in letzter Zeit wohl vor?

Ich würde erwarten, dass man an dieser Stelle eine Nachricht an 1 Mio. Zuhörer nicht klammheimlich verschwinden lässt, sondern vielleicht richtigstellt?

Stattdessen bekomme ich von besagter Journalistin am Telefon solche Sätze zu hören:

„Wir werden ja dann sehen, wie es ab nächster Woche aussieht.“

Irgendwie hat man das Gefühl, sie würde einfach nur gerne Recht behalten. Seltsame journalistische Praxis, eine Behauptung aufzustellen und darauf zu hoffen, dass sie sich erfüllt.

„Ich muss mich ja darauf verlassen, was der französische Premierminister gesagt hat.“ sagte sie zu mir.

Dumm ist nur, dass er sicher nicht gesagt hat, dass in den roten Departements die Ausgangssperre in der bisherigen Form bestehen bleibt. Und man kann die gesamte Rede im Netz auf den Seiten der französischen Regierung nachlesen oder für die Sprachbegabteren auch anhören …

Außerdem gibt es eine sehr einfache Übersicht, welche Lockerungen wo geplant sind. Die endgültige Kategorisierung der Departements erfolgt im Übrigen erst am 7.5. und es bleiben entgegen dem ursprünglichen SR Bericht auch nur 2 Farben übrig.

https://www.gouvernement.fr/info-coronavirus/strategie-de-deconfinement

https://www.gouvernement.fr/suivre-l-actualite-du-premier-ministre

Ich gehe mal davon aus, dass es sich bei der fehlerhaften Berichterstattung um keine bewusste Manipulation handelte, sondern schlicht schlecht gearbeitet wurde. Aber in dieser Zeit sollte man vielleicht bedenken, dass die Nerven bei vielen Grenzgängern im eigentlichen und übertragenen Sinne blank liegen. Die Medien sollten verantwortungsvoll bei der Verbreitung von Nachrichten agieren, da sie für viele Bürger die einzige Quelle für neuen Informationen sind . Es ist auch wenig vertrauenserweckend, wenn Journalisten beim Hinweis auf eine Falschmeldung angepisst reagieren und einen oberlehrerhaften Ton zur Verteidigung der eigenen Schlamperei an den Tag legen.

von B.

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