Wir .otzen im Quartett

Schon wieder ist die 1 km – Grenze für alle französischen BürgerInnen vorgesehen. Das ist echt das allerübelste an diesem Lockdown für uns persönlich. Für die Gastronomie kann ich ja nicht sprechen. Aber es ist beängstigend, wie das Leben aussiehen wird, wenn der Umgang mit dem Virus uns alle noch mehr in die Isolation getrieben hat und wenn alles Kleingewerbe zusammengeschrumpft ist, weil da die Fördergelder nicht wirklich genügend ankommen…

https://www.linternaute.com/actualite/guide-vie-quotidienne/2489337-direct-confinementen-france-des-precisions-attendues-sur-le-reconfinement-ce-que-l-on-sait-deja/

Ich persönlich hab auf Heizpilze, gute Merinooutdoorklamotten und unverbrüchlichen Optimismus gehofft. Weit gefehlt. Hier der Ausschnitt, der die 1 km – Regelung belegt:

Confinement, Déconfinement, Réconfinement

Uuuh, es ist zum Haare raufen.

Präsident Macron erklärte, dass die Situation in Frankreich – so wie auch im Rest Europas – sehr ernst ist. Die Corona-Maßnahmen, die seit Ende August in Frankreich gelten, waren nicht wirksam genug. Ab Mitte November werden harte Zeiten für die französischen Krankenhäuser anbrechen. Deshalb hat die französische Regierung folgende Maßnahmen beschlossen:

  • Ganz Frankreich geht ab Freitag 30. Oktober (= Donnerstag 24.00 Uhr) bis mindestens 1. Dezember in den Lockdown.
  • Kitas und Schulen bleiben offen; die Arbeit geht weiter, allerdings – wenn möglich – von zu Hause aus.
  • L’attestation de déplacement (das unterschriebene Ausgangsformular) muss wieder mitgeführt werden.
  • Die Franzosen dürfen ab Freitag nur dann das Haus verlassen, um zur Arbeit, zum Arzt oder zum Einkaufen zu gehen, die Kinder zur Schule zu bringen, im Freien Sport zu treiben oder jemanden zu helfen, der krank ist.
  • Alle Zusammenkünfte und Veranstaltungen sind verboten.
  • Die Gastronomie sowie „nicht-existentielle Geschäfte“ müssen die nächsten Wochen geschlossen bleiben.
  • Von einer französischen Region in die andere zu reisen, ist ab Freitag nicht mehr möglich.
  • Altersheime dürfen noch Besucher empfangen.
  • Den Franzosen wird empfohlen, auch zu Hause möglichst oft Mundschutz zu tragen.
  • Die Grenzeninnerhalb Europasbleiben offen, Einreisende aus anderen Ländern (außerhalb der EU) sind nicht willkommen.
  • In zwei Wochen wird die Situation erneut evaluiert.
  • https://www.frankreich-webazine.de/corona-virus-status-frankreich-tipps-urlaub/

Hier könnt ihr die Rede von Macron hören.

https://www.lemonde.fr/societe/live/2020/10/28/covid-19-suivez-le-discours-d-emmanuel-macron-en-direct-a-20-heures_6057696_3224.html

Wieder neue Regeln in Grand Est und im Saarland

Jetzt darf man also von Grand Est für 24 Stunden ins Saarland und umgekehrt darf man vom Saarland für 72 Stunden nach Grand Est…Sonderbar. Überschreitet man die Stundenanzahl, muss man jeweils in Quarantäne. Nur, wie soll das denn kontrolliert werden? https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/vis_a_vis/bundesregierung_erklaert_festland-frankreich_zum_risikogebiet_100.html

Und schon ist es soweit

Nun ist Frankreichs Grenzregion wieder Risikogebiet, besser gesagt, ganz Festlandfrankreich, laut Robert Koch Institut. Und Frankreich selbst hat den Gesundheitsnotstand ausgerufen. Ich frage mich, wie die das hinkriegen, dass die Zahlen so hochgehen. Irgendwie sind wohl alle hier so unterwegs wie die Exweller BürgerInnen, die von den Marpingern jetzt noch weniger gemocht werden. Feiern die hier Dauerkerb, oder was läuft anders in France als in D?

https://www.republicain-lorrain.fr/sante/2020/10/15/coronavirus-tout-ce-qu-il-faut-savoir-sur-les-nouvelles-restrictions

Wenigstens haben wir hier bisher noch keine nächtliche Ausgangssperre. Aber so langsam nervt das Virus echt. Und vor allem ist kein Ende in Sicht. Puuh.

Jezz hann die St.Wenneler und die Neinkerjer de Salat

Ich muss doch glatt an die Tante in St.Wendel denken, die mir im Frühjahr einen bösen Stinkefinger gezeigt hat, als ich mich mit französischem Kennzeichen in die Stadt wagte. Ähnlich wie ein Typ vorm Edeka in Wellesweiler. Ist doch jetzt Grand Est immer noch kein Risikogebiet. Naja, aber wird wohl nicht mehr lange dauern. Deshalb keine Schadenfreude. Immer schön brav bleiben.

Falls die beiden raus wollen aus ihrem Risikogebiet und hier in Grand Est einreisen wollen, sollten sie das folgende Dokument ausfüllen und mitnehmen: https://www.interieur.gouv.fr/Actualites/L-actu-du-Ministere/Attestation-de-deplacement-et-de-voyage. Es steht auch keiner an der Grenze und lässt sie nicht rein. Auch wenn sie nur ins Weinzelt beim Record in Grosblie wollen…

Nationale Reflexe waren unvernünftig

Man glaubt es kaum: Merkel spricht es aus. Sie sagt, dass die ersten Reflexe der Coronakrise zu begegnen durchaus national und daher unvernünftig gewesen seien. Da ist ja schon mal viel passiert in den Köpfen. Nur, dass die ersten Reflexe bis zum 15 Juni, also geschlagene drei Monate dauerten und eher auf ein verfestigtes Muster verweisen als auf spontane Emotion. Mal sehen, wie es mit Europa weitergeht.

https://www.tagesschau.de/inland/merkel-regierung-erklaerung-101.html

Nach drei Monaten ist die Grenze wieder offen: wir klatschen jetzt nicht

Ganz entgegen der letzten Erfahrungen mit dem SR als Hofberichterstatter berichtet Lisa Huth vom SR, dass doch viele nicht so schnell über die Ereignisse in der Grenzregion hinwegsehen werden: https://www.sr.de/sr/home/nachrichten/politik_wirtschaft/reaktionen_ende_grenzkontrollen_saarland_frankreich_100.html. Sprüche wie „Geh zurück ins Coronaland“ werden eher nicht so schnell vergessen (https://www.br.de/nachrichten/deutschland-welt/deutsch-franzoesische-grenze-geh-zurueck-ins-corona-land,Rwzmsab). Auch beim Treffen der EurodistrictpolitikerInnen und einiger BürgerInnen aus beiden Ländern auf der Freundschaftsbrücke Grosblie-Kleinblie war dies spürbar. Doch hier hat sich auch eine sichtlich erleicherte Saarländerin hergewagt, die ihrer Freude über die Grenzöffnung Ausdruck verleihen wollte und all ihre geliebten Plätze und Wanderwege heute aufsuchte, um Hallo zu sagen. Das war sehr erfrischend und berührend.

Tobias Hans will bei einer erneuten Coronawelle die Grenzen nicht mehr schließen. Wahrscheinlich hat er Industrie und Handel im Nacken sitzen. Allerdings meinte Seehofer, er würde das genauso wieder machen. Also ob auf den Willen von Herrn Hans Verlass ist, qui sait? Da fehlt ein gutes Stück Struktur auf mehreren Ebenen. Hände schütteln auf Freundschaftsbrücken reicht da eher nicht. Ist aber immerhin ein Anfang.

Und trotzdem sich der „gemeine“ Saarländer über die Primark-Touristen, Bordell – und Spielhallenbesucher aus dem Nachbarland beschwert, wie mir heute im persönlichen Gespräch mit saarländischen Freunden erläutert wurde, ist doch der Wirtschaftsfaktor Grand Est ein großer im armen Saarland. Auf die Idee, man könnte die genannten Anziehungspunkte ganz ganz anders handhaben – auch für SaarländerInnen, auf diese Idee kommt der Saarländer nicht. Auch nicht die Saarländerin. Oder? Und dass man festgestellte Ressentiments unter Jugendlichen beider Regionen doch als Aufforderung an eine grenzüberschreitende Jugendarbeit verstehen könnte, ist wohl der Innovation zuviel. Schade.